Mitteilung nach der Demonstration « Fass mein Land nicht an » vom Samstag, 6. März 2010

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Es ist üblich, dass kurz nach einer Demonstration, derselben eine Mitteilung des Veranstalters folgt. In unserem Fall haben wir diese um eine Woche verschoben um jegliche Interferenz mit der Abstimmung vom 7. März 2010, am Tage nach der Demonstration, zu vermeiden.

Das Thema der Demonstration "Fass mein Land nicht an" stellt für uns die Gründungsakte eines neuen Bürgerpaktes dar. Die Grundlage des Dialoges zwischen Schweizer Muslimen und ihren nicht-muslimischen Mitbürgerinnen und -bürgern.

Wir glauben, dass Kulturen 3 mögliche Bestimmungen haben:

  • im Konflikt zu leben zeugt Völkermorde
  • in Konkurrenz zu leben erzeugt die Apartheid
  • gemeinsam zusammenzuleben, und jeder von uns wird zu einem Plus… aber diese Bestimmung kann ohne wahren politischen Willen nicht existieren. Die Demonstranten haben ihre Verantwortung übernommen und hoffen, dass die politische Welt dies ebenfalls tun wird.

Wir möchten uns ganz besonders bei den Journalisten bedanken, die diese Veranstaltung vom Samstag, 6. März 2010 am Helvetiaplatz in Bern im Fernsehen, Radio und den verschiedenen Tageszeitungen kommentiert haben.

Anhand des sehr weit verbreiteten Echos in der gesamten Schweiz meinen wir, dass sie dabei einen Bürgerakt geleistet haben. Sie nehmen damit am Entstehen einer neuen, gegenseitigen, bürgerlichen Betrachtensweise teil: diejenige von Schweizer Bürgerinnen und Bürgern muslimischer Kultur und muslimischen Glaubens und von ansässigen muslimischen Bürgerinnen und Bürgern.

Rede der Demonstration (Samstag, den 6. März 2010)

Bonjour à toutes et à tous, Gruessech mitenand, Buongiorno a tutti, As-Salaamu 'Aleikum

Danke, dass Sie alle unserem Aufruf Folge geleistet haben.

Danke, dass Sie mit uns hier in Bern sind.

Wir sind hier am Helvetiaplatz, weil wir leider keine Erlaubnis erhalten haben um vor der libyschen Botschaft zu demonstrieren. Nur eine Gruppe von 5 Personen wird sich dorthin begeben. Diese Einschränkung ist durch die besonderen Beziehungen zwischen Libyen und der Schweiz bedingt und wir danken für Ihr Verständnis.

Wir befinden uns hier auf dem Platz, dessen Name das Symbol unseres Landes darstellt. Dies versinnbildlicht auch unsere Zuneigung zur Schweiz, zu ihren demokratischen Werten… denn wir glauben in einen starken demokratischen Staat und unser Wunsch ist es, eine nationale Einheit zu zeigen.

Für uns Staatsbürgerinnen und -bürger der Schweiz von muslimischer Kultur und Religion und als muslimische Bürgerinnen und Bürger wohnhaft in der Schweiz, ist es ein grundsätzliches Bürgerrecht, zu den Äusserungen von Muammar Kadhafi zu reagieren und dies vor allem nach dem 29. November 2009. Unsere Demonstration will sich als eine symbolische Aktion, denn der Aufruf von Herrn Kadhafi zum Djihad ist dermassen stark, dass er nach einer Reaktion schreit.

Wir reagieren als Bürgerinnen und Bürger der Schweiz.

Wir rufen laut: "Fass mein Land nicht an'!".

Weil:

Eingegangenen Reaktionen per E-Mail

Mach Mein Land Nicht an

Das ist der entsetzte Aufschrei einer Gruppe von Schweizer Bürgern muslimischen Glaubens und muslimischer Kultur, als Reaktion auf den Aufruf von Mouammar Kadhafi zum Djihad gegen die Schweiz, eine Folge der Abstimmung gegen den Bau der Minarette.

Wir, Bürger der Schweiz von muslimischer Kultur, reagieren gegen diesen Aufruf, weil wir uns weigern als Instrumente einer Diktatur verwendet zu werden. Die Abstimmung zum Bauverbot von Minaretten ist eine interne Angelegenheit der Schweiz und muss mit demokratischen Mitteln unter Schweizer Bürgern geregelt werden, denn wir haben Vertrauen in den Rechtsstaat unseres Landes.

Unser Land braucht von niemandem über die Demokratie belehrt zu werden, am wenigsten von einem Diktator.

Wir weigern uns gegen die Instrumentalisierung der Religion und des Islams, um die Muslime von hier und dort gegen unser Land und unsere Mitbürger aufzuhetzen.

Wir weisen jeglichen Aufruf zum Djihad, zum Boykott unseres Landes oder andere allfällige Massnahmen zurück.

Wir, Schweizer Bürger muslimischen Glaubens und muslimischer Kultur, möchten den Rest der Welt darauf aufmerksam machen, dass wir den Rechtsstaat, in dem wir leben, schätzen und damit auch die Möglichkeiten die er bietet, um Probleme auf eine demokratische und legale Art und Weise zu regeln.